Unterrichts- und Arbeitsbedingungen sind der Dreh- und Angelpunkt
Zum NDR-Beitrag „Verband warnt vor Kollaps der Gymnasien“ erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg:
„Wenn der Bildungsminister als Reaktion auf die berechtigte Kritik der Gymnasiallehrkräfte lediglich darauf verweist, dass sämtliche Unterrichts- und Arbeitsbedingungen egal sind und den Schulforscher John Hattie als Kronzeugen dafür benennt, dass es einzig und allein auf den Lehrer ankommt, blendet Herr Brodkorb sowohl die Realität als auch die Komplexität Hatties aus.
Die Bedeutung der Lehrkraft sowie der Lernumgebung sind nach Hattie besonders relevant. Dies darf aber keine leere Hülle bleiben, sondern erfordert in MV eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Unterrichts- und Schulentwicklungsberater. Meine Fraktion fordert seit Jahren, in dieses Unterstützungssystem zu investieren. Aber stattdessen wurde die Zahl der Beraterlehrkräfte seit 2009 halbiert, von 118 auf 62 Personen im Jahr 2013. So gibt es beispielsweise nur jeweils vier für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch für die mehr als 200 Regionalen Schulen und Gesamtschulen sowie lediglich jeweils zwei Beraterlehrkräfte für die Gymnasien. Exakt zwei Personen sind im Land für die Evaluation von fast 600 Schulen zuständig. Wie soll Unterricht und Schule gelingen, wie soll ‚Lernen sichtbar gemacht werden‘, wenn dafür wichtige Voraussetzungen fehlen?
Die Lehrkräfte werden im Regen stehengelassen. Ihnen werden immer mehr Leistungen abverlangt, aber an ihrer Unterstützung wird gespart. Das ist bestimmt nicht im Sinne des Pädagogen Hattie. Hinzu kommt, dass die derzeitige Stundenzuweisung vielfältige Ungerechtigkeiten in sich birgt, unter denen gerade Gymnasien und größerer Regionale Schulen leiden. Meine Fraktion fordert eine veränderte Zuweisung, denn auch in diesem Bereich kommt es nicht allein darauf an, dass die Unterrichtsversorgung in der Summe stimmt, sondern sie muss handhabbar für jede Einzelschule sein.
Hoffentlich erinnert sich der Minister auch an die Worte Hatties, dass ausgebildete Lehrkräfte einen wesentlich größeren Lernfortschritt bei den Schülern erzielen als unausgebildete. Denn auch acht Wochen nach dem Start des Schuljahres gibt es keine organisierte Fortbildung für die Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, obwohl dies Voraussetzung für deren Entfristung nach einem Jahr ist. Anspruch und Realität liegen derzeit in MV weit auseinander.“