Berufliche Schulen nicht länger kaputtsparen!
Zur Situation an den beruflichen Schulen des Landes erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg:
„Der extrem hohe Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen ist wenig überraschend. Der Bildungsminister nimmt den Berufsschulen seit langem die Luft zum Atmen. Flugs aufgelegte Sonderprogramme helfen wenig, es muss grundsätzlich damit Schluss sein, diesen Schulbereich kaputtzusparen. Die 18 Stellen, die Bildungsminister Mathias Brodkorb jetzt aus dem Hut zaubert, werden, wenn sie denn besetzt werden, den Ausfall um maximal etwas mehr als ein Prozent senken. Daran wird deutlich, dass es keinen Plan gibt, sondern wieder einmal herumgedoktert wird, um das Ausmaß der Misere zu kaschieren. Es müssen umgehend die Schülermindestzahlen für Klassen an beruflichen Schulen gesenkt und Arbeitszeitkonten wieder eingerichtet werden. Berufliche Schulen dürfen nicht länger zu Außenstellen degradiert werden.
Es gibt derzeit keinen Beruf im Bildungswesen, der unattraktiver ist als den des Berufsschullehrers. Das Unterrichten an Außenstellen, die etliche Kilometer von der Stammschule entfernt sind, riesige Klassen, die unterschiedlicher nicht zusammengesetzt sein können, mangelnde Unterstützung für die Jugendlichen und Lehrkräfte in den Berufsvorbereitungsjahren – all das trägt dazu bei, dass nicht nur Unterricht ausfällt, sondern auch niemand mehr gewillt ist, unter solchen Bedingungen die Unterrichtsstunden zu vertreten. Die mangelnde Kontrolle der Berufsschulpflicht führt dazu, dass Klassen, die am Schuljahresanfang gebildet wurden, aus allen Nähten platzen, weil Schüler, die die allgemein bildende Schule verlassen haben, zu spät von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gemeldet werden.
Kein anderes Bundesland gibt für seine Berufsschulen derart wenig Geld aus, kein anderes Land plant derart große Klassen, und in kaum einem anderen Bundesland haben Berufsschullehrer eine derart hohe Unterrichtsverpflichtung wie in M-V. Auch in der sogenannten Benachteiligtenausbildung, in der Werker- bzw. Helferberufe ausgebildet werden, muss dringend die Klassengröße verringert werden. Von früher 12 Jugendlichen ist die Zahl stetig gestiegen und umfasst derzeit häufig um die 20 Schülerinnen und Schüler. So kann weder unterrichtet noch gelernt werden.“